«En Schluck fam Glick»

Der ganze Geschmack des Goms, eingefangen in einer Flasche – das ist Gommer Gin. Christine Schmidhalter erzählt, warum ihr Schnaps Generationen zusammenbringt und weshalb er immer ein Hobby geblieben ist.

«Gin und ich, das hat irgendwie schon immer zusammengepasst», lacht Christine Schmidhalter. Bereits in ihren Jugendjahren, längst bevor Gin zum Lifestylegetränk avancierte, hat sie, die keinen Wein mag, sich im Ausgang an Gin Tonic gehalten. Das sie selbst mal zur Gin-Produzentin werden würde, hätte sie damals nicht gedacht. Dazu musste erst ihr 40. Geburtstag vor der Tür stehen.

Christine wuchs in Reckingen im Goms auf, zog für die Ausbildung nach Bern und blieb dort. Verbunden ist sie mit ihrem Heimattal aber immer noch sehr stark. Ferien und Wochenenden verbringt sie meist im im Goms. In dieser Zeit kümmert sie sich gemeinsam mit anderen Frauen um den Gommer Gin.

Das Projekt entstand bei den Vorbereitungen zum Fest ihres 40. Geburtstags. Sie wollte keine Geschenke, ihren Gästen dafür aber ein Produkt aus ihrer Heimat schenken. «Aber was gibt es bei uns im Goms schon ausser Fleisch und Käse?» hatte sie sich gefragt. Die Antwort: «Unzählige gute Kräuter und Heidelbeeren.» Da war der Weg zum Gin nicht mehr weit. Sie machte sich schlau, experimentierte in der Küche ihrer Mutter und gab schliesslich einer kleinen Brennerei in der Innerschweiz den Auftrag, die erste Charge zu brennen. Als sie den fertigen Gin abholte und mit kistenweise Flaschen im Auto nach Reckingen zurückfuhr, sei ihr schon etwas mulmig geworden. «Ich sah mich auf einem Ginvorrat für mehrere Generationen sitzenbleiben», lacht sie. Doch die Gäste liebten den Gommer-Gin, und bald war alles weg. «Ich überlegte gar nicht gross, sondern begann gleich mit den Vorbereitungen für einen weiteren «Batch». Bis heute wird der Gommer Gin nur einmal im Jahr in einer Kleinstauflage destilliert.

Inzwischen gibt alles rund um den Gin sehr viel zu tun: Bestellungen bearbeiten, Flaschen etikettieren und nicht zuletzt dafür sorgen, dass die benötigten Zutaten zusammenkommen. Diese stammen zum allergrössten Teil aus dem Goms. «Wir wollen den ganzen Geschmack des Goms einfangen und in eine Flasche stecken», sagt Christine. Gommer Gin sei für sie «en Schluck fam Glick». An die benötigten Kräuter, Blüten und Beeren zu kommen ist jedoch gar nicht so einfach. Einerseits ist das Sammeln eine Fleisssache, andererseits muss man erst mal wissen, wo die einzelnen Pflanzen wachsen. Dieses Wissen bringen Christines Mutter und mehrere ihrer Freundinnen mit. «Das Ganze ist zu einem richtigen Generationenprojekt geworden», so Christine. «Wir bekommen nicht nur die die guten Zutaten – die alten Frauen haben eine wichtige Aufgabe. Sie sind teils das ganze Jahr über mit Arbeiten rund um den Gommer Gin beschäftigt.»

Angst vor einem Unterbruch des Nachschubs hat Christine nicht. «Klar, es kann sein, dass die eine oder andere schon bald aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kann, aber vielleicht kommen dann ja jüngere nach. Oder halt auch nicht.» Wenn es nicht mehr gehe, dann habe sie kein Problem, mit der Ginproduktion von heute auf morgen aufzuhören. Auch wenn der Gommer Gin sich inzwischen eine kleine Fangemeinde aufgebaut hat, in einzelnen Geschäften im Goms erhältlich ist und sogar in einigen Hotels und Restaurants ausgeschenkt wird: Für Christine ist er kein Geschäft, sondern ein Hobby, bei dem sie, wenn es gut kommt, nichts drauflegt. «Wir alle machen es aus Leidenschaft, Freude und die Liebe zum Goms.»

Den Gommer Gin gibt es in zwei Varianten in einzelnen kleinen Geschäften im Goms zu kaufen. Oder direkt auf gommergin.ch


Text und Bilder: Max Hugelshofer

Erschienen im settembre 2021